Gates ante Portas
Ob es jetzt der grösste Fundraising-Erfolg oder eher der PR-trächtigste Steuertrick aller Zeiten ist, zu reden gab Warren Buffets gemeinnütziges Mega-Engagement allemal: Mit 30 Milliarden Dollar verdoppelte er vergangene Woche das Vermögen der "Bill & Melinda Gates Foundation". Zwar hat sich damit nichts an der Tatsache geändert, dass der philantropische Ableger des Microsoft-Gründers die grösste Stiftung der Welt ist, aber der Coup schürt neue Ängste (und alte Kritiken): "Wird Gates' Stiftung zu mächtig?" titelt heute die Welt am Sonntag. Fraglos direkt formulierte der Spiegel am Montag im Wirtschaftsteil: "Buffett macht Gates-Stiftung zur Supermacht". Man ist hin- und hergerissen, zwischen einem pragmatischen Schulterzucken - "Besser so als gar nicht" - und dem hehren Wunsch, der Milliardär hätte an eine etwas demokratischere Organisation gedacht. Was Buffet mit seinen Wallstreet-Milliarden angerichtet hat, wird sich zeigen.
Wer sich selber ein Bild machen will, wie es um Vergaberichtlinien und finanzielle Transparenz der Foundation steht, liest die Auswahlkriterien für Anträge oder hier den Jahresbericht 2005 (Achtung: Alle Angaben "In thousands", obwohl man sich leicht um 3 Stellen täuschen könnte). Wer sich mehr für den etwas näher liegenden Schweizer Grossspenden-Markt interessiert, findet in der Weltwochen-Umschau 23/06 einen - hoffentlich gut recherchierten - Überblick.
Einzig wegen der Konkurrenz muss man sich als Fundraiser keine allzugrosse Sorgen machen: Man nehme keine Gelder vom allgemeinen Publikum, schreibt die Organisation in ihrem FAQ.
